Ausprobieren als Motto
Dass der „Tag des Handwerks“ trotz der Tatsache, dass er am 22. April, also einem Samstag (!) für die diesjährigen 9. Klassen stattfand dennoch ein voller Erfolg war, lag zum einen an den sehr engagierten Organisatoren, aber auch an den überaus motivierten SchülerInnen des AvHs, die sich offen für Neues zeigten.
Seit diesem Schuljahr müssen alle SchülerInnen der 9. Jahrgangstufe einen vierstündigen Tag im Handwerk absolvieren, um dem „zunehmenden Fachkräftemangel, der gerade im Bereich der Energiewende und des Klimaschutzes den Handwerksberufen eine besondere Bedeutung zukommen lässt, zu begegnen und die Schülerschaft dafür zu sensibilisieren. Dabei sollen handwerkliche Tätigkeiten erprobt und praxisnah vorgestellt sowie die Vorzüge beispielsweise einer dualen Ausbildung und die daran anschließenden vielfältigen Entwicklungsmöglichkeiten dargestellt werden.“ So das Bildungsministerium.
Wie dies die Schulen organisieren, bleibt ihnen überlassen.
Da in diesem Schuljahr 131 Schülerinnen und Schüler die neunten Klassen besuchen, war schnell klar, dass es nicht möglich sein würde, genug Betriebe an einem Tag an die Schule zu holen, um allen Jugendlichen die Möglichkeit zu bieten, wirklich sinnvoll Praxiserfahrung im Handwerk zu sammeln, wie dies kleine Schulen zum Teil taten. Wie wichtig aber genau dieses praktische Ausprobieren ist, um zu entscheiden, ob ein duales Studium in der Baubranche eine Option ist, oder um zu sehen, welche Fähigkeiten man mitbringen muss, um im Maschinenbau nach einer möglichen Ausbildung die Meisterschule zu besuchen oder direkt diesen Studiengang zu absolvieren, das muss man eben einfach mal selbst erfahren. Und genau dazu hatte der gesamte Jahrgang des AvHs ausgiebig Gelegenheit an diesem Tag, auch wenn im Feedback einige Schüler angaben, dass sie sich mehr Zeit vor Ort gewünscht hatten, um noch mehr auszuprobieren. Gelobt wurde auch seitens der Jugendlichen, dass alle Aussteller äußerst freundlich und hilfsbereit waren, gerade wenn es darum ging, Neues wie das Anfertigen von Gipsabdrücken, das Schweißen von Stifteboxen oder das Schneiden von Haaren war.
Auch der Besuch der hauseigenen Cafeteria wurde positiv bewertet.
Dass dieser Tag aber auch viel zum theoretischen Wissen rund um das Thema Handwerk beigetragen hat, bewies die Umfrage unter der Schülerschaft im Vorfeld: nur sehr wenige konnten konkrete Handwerksbetriebe nennen und verwechselten es mit Unternehmen wie Schaeffler oder SKF. Im Schnitt konnten die SchülerInnen im Nachgang sieben bis acht Ausbildungsmöglichkeiten im Handwerk nennen.
Auch die beteiligten Betriebe äußerten sich durchwegs positiv über die Humboldt-Schülerschaft, die an ihren gelben Mappen leicht zu erkennen waren.
Ein toller Tag, der in seiner Terminierung sicher Luft nach oben hat. Doch es bleibt zu bedenken: Jeder von uns wünscht sich, dass die bestellt Solaranlage endlich aufs Dach kommt, das Bad endlich saniert wird und das Auto wieder läuft. Wann sollen die Betriebe ihr so rares Personal auf eine Messe schicken, um für sich vorzustellen, wenn nicht an einem Samstag?
Als ich fremde Schüler fragte, was sie an diesem wunderschönen Tag auf diese Messe verschlug, antworteten diese, dass an ihrer Schule für den ganzen Jahrgang nur einzelne Wortshops angeboten würden und man sich als Schüler im Vorfeld für nur zwei entscheiden könne. Bagger fahren oder Schweißen geht dort dann natürlich auch nicht.
Jasmin König
