Ein Ausflug in klassische Gefilde: die Weimar-Fahrt der Q12
Was macht man, wenn im Morgengrauen des 18. März fünf Deutschkurse und ihre Kursleitungen, allesamt einigermaßen ausgeschlafen, nach Weimar aufbrechen wollen?
Ein Suchspiel.
Immerhin sollen 120 Schülerinnen und Schüler auf Anwesenheit und Reisetauglichkeit überprüft und kursgerecht geordnet in drei Busse verfrachtet werden. Nachdem die Kursleitungen das Spiel aktiv gestaltet, die Schülerinnen und Schüler das Aufbruchsszenario weitgehend passiv, aber freundlich mitgetragen haben, erwartet uns in der thüringischen Kulturstadt ein wunderbarer Frühlingstag. In der Hoffnung, dass die Schülerinnen und Schüler nicht nur gute Laune und ausreichend Verpflegung dabei haben, sondern auch Erinnerungen an die zahlreichen Deutschstunden zum Thema „Weimarer Klassik“, starten wir nach der Ankunft in Weimar, immer noch kursmäßig geordnet, pünktlich zu unseren kulturellen Höhepunkten: Während sich die ersten Gruppen auf den Weg zu Goethes Wohnhaus am Frauenplan machen, rüsten sich die übrigen für die Stadtführungen. Apropos Verpflegung: Der gestrenge Verfasser dieses Berichts ermahnt gleich zu Beginn der Stadtführung einzelne seiner Kursteilnehmer, weil diese sich mehr ihrer flugs gekauften Thüringer Rostbratwurst widmen als den Worten ihrer Stadtführerin. Von ihr erfahren wir allerlei Wissenswertes über die Lebensverhältnisse und das politische Umfeld, in welchem namhafte Persönlichkeiten aus Kunst, Kultur, Wissenschaft und Kirche über lange Jahre die Stadt so geprägt haben, dass Weimar heute nach wie vor zu den gefragtesten Besuchermagneten Deutschlands gehört. Wir erfahren, wem wir unsere Kenntnis von Goethes „Urfaust“ zu verdanken haben, weshalb die anfangs einander eher skeptisch gegenüberstehenden Schiller und Goethe rasch einen Freundschaftsbund schlossen und warum Goethe im Park an der Ilm eine künstliche Mauer und Sichtachsen hat anlegen lassen. Während anschließend einige Kursteilnehmer die beengten Wohnverhältnisse Schillers in Augenschein nehmen, gönnen sich die meisten Schülerinnen und Schüler einen Rundgang durch Goethes Wohnhaus, ein schon in damaliger Zeit weitläufiges und nahezu luxuriös ausgestattetes Domizil. „Warum hat Goethe eigentlich so unglaublich viel gesammelt, was wollte er denn etwa mit den ganzen Steinen oder Pflanzen?“, will ein Schüler von mir wissen, was uns zum Kern unseres Ausflugs führt: neugierig sein, Unerkanntes erforschen, sich über Erkenntnisse freuen, Wissen und Erfahrungen mit anderen teilen, das Leben mit allen Sinnen wahrnehmen – das ist es, was uns Humboldtianer am Ende des Tages hoffentlich verbindet mit der Weimarer Klassik.
P. Boll
