Engagiert, reflektiert, vorbildlich – Drei Jungjournalistinnen geben ukrainischen Schülerinnen und Schülern eine Stimme  

Mit ihrem eindrucksvollen Beitrag über die Aufnahme ukrainischer Kinder in die Deutschklasse am Alexander-von-Humboldt-Gymnasium haben Finja Schollweck, Lina Schmittfull und Anne Pfister, die inzwischen schon ihr Abitur gemacht hat, ein Thema gewählt, das gesellschaftlich hochrelevant und zugleich menschlich berührend ist. Der Artikel, der in der 61. Ausgabe der Schülerzeitung erschien, beleuchtet nicht nur die schulische Integration geflüchteter Kinder, sondern zeigt auch, wie journalistische Arbeit an Schulen zu gelebter Solidarität und Verständigung beitragen kann. Für diese Arbeit wurden sie nun als beste Jungjournalistinnen Unterfrankens durch den Ministerialbeauftragten ausgezeichnet.

Thema und Motivation

Seit mehreren Jahren unterrichtet das AvH Schülerinnen und Schülern aus der Ukraine und zunehmend auch aus anderen Teilen der Welt in sogenannten Brücken- bzw. inzwischen Deutschklassen. Finja, Lina und Anne wollten diesen jungen Menschen Gehör verschaffen – jenen, die täglich zwischen Sprachen, Kulturen und Erwartungen stehen. Ziel war es, nicht über, sondern mit den Betroffenen zu sprechen, ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre Sichtweise auf das Ankommen in einer neuen Heimat zu schildern. 

„Wir wollten diesen Kindern eine Stimme und ein Gesicht geben“, schreiben die Autorinnen in ihrer Bewerbung. Ihr Beitrag stellt daher weit mehr als eine Momentaufnahme dar: Er ist ein Plädoyer für Offenheit, Respekt und Mitgefühl im Schulalltag.

Recherche und journalistischer Lernprozess

Für ihren Artikel führten die drei Jungjournalistinnen eine umfangreiche Fragebogenaktion durch, die zuvor von der Schulleitung genehmigt werden musste. Schon die Entwicklung der Fragen erforderte Fingerspitzengefühl: Sie mussten verständlich, motivierend und ergebnisoffen formuliert sein. Die Antworten offenbarten teils erschütternde Einblicke in die Gefühlswelt der ukrainischen Jugendlichen – von Heimweh über Überforderung bis hin zu Erlebnissen, die tief von den Erfahrungen von Flucht und Verlust geprägt waren.

Der erste Entwurf des Artikels erhielt zunächst keine Freigabe, da er die Schule in einem zu einseitigen Licht erscheinen ließ. Statt sich entmutigen zu lassen, entschieden Finja, Lina und Anne, journalistisch nachzulegen: Sie führten weitere Gespräche mit Lehrkräften, der Schulleitung und Mitgliedern der Schulgemeinschaft, um eine ausgewogenere und tiefere Darstellung zu erreichen. Dieses Vorgehen zeigte eindrucksvoll ihr Verständnis für journalistische Verantwortung und Objektivität. Nach intensiver Überarbeitung konnte der Beitrag schließlich veröffentlicht werden – ein wertvoller Lernprozess über Pressefreiheit, redaktionelle Verantwortung und die Bedeutung differenzierter Berichterstattung.

Von der Recherche zur Tat – ein „Mensch-Ärgere-Dich-Nicht“-Turnier

Doch die drei Jungjournalistinnen beließen es nicht bei Worten. Aus ihrer journalistischen Arbeit heraus entstand eine konkrete Integrationsinitiative: ein gemeinsames „Mensch-Ärgere-Dich-Nicht“-Turnier, das ukrainische und deutsche Schülerinnen und Schüler einander näherbringen sollte. 

Ein Auszug aus dem begleitenden Bericht der Schülerzeitung zeigt die Begeisterung und Herzlichkeit dieses besonderen Tages:

„Lange haben wir überlegt, was wir tun könnten, um den Ukrainern das Gefühl zu geben, ein echter und fester Teil unserer Schulfamilie zu sein. Letztendlich kamen wir auf die Idee, ein ‚Mensch-Ärgere-Dich-Nicht‘-Turnier zu starten, weil man sich beim gemeinsamen Spiel besser kennenlernt.“ 

Am 25. Juli 2023 war es dann soweit: Nach einer zweisprachigen Einführung wurden die Teams ausgelost, es wurde gespielt, gelacht und gegessen. 

„Alle Teilnehmenden, die nicht beschäftigt waren, durften sich am Buffet bedienen, welches aus verschiedensten Spezialitäten aus beiden Ländern bestand. Außerdem war in den Pausen Zeit für Gespräche und das Knüpfen von Kontakten. Hierbei wurden unter anderem Instagram-Namen von einigen Schülern ausgetauscht.“ 

Das Finale wurde in der Aula ausgetragen, begleitet von jüngeren Mitschülern. Den Sieg errang das ehemalige Redaktionsmitglied Felix Keller, der sich über einen Eisgutschein freuen durfte. 

Am Ende, so heißt es im Artikel, war es für alle ein bewegender Tag:

„Wir alle hoffen, dass wir den ukrainischen Schülern, die alle die Schule nach diesem Jahr verließen, einen schönen Tag bereiten konnten, und sie das Humboldt so hoffentlich in guter Erinnerung behalten.“ 

Diese Aktion zeigte, wie aus journalistischer Beobachtung gelebte Verantwortung werden kann – ein Paradebeispiel dafür, wie Schülerzeitungsarbeit nicht nur berichtet, sondern bewirkt.

Jurywürdigung

Die Jury würdigt den Beitrag von Finja Schollweck, Lina Schmittfull und Anne Pfister als ein herausragendes Beispiel für jungen, verantwortungsvollen Journalismus. Die drei erfüllen alle Kriterien der Sonderkategorie „Jungjournalistin / Jungjournalist“ in besonderem Maße, wie der Mitteilung des Ministerialbeauftragten der Gymnasien für Unterfranken zu entnehmen ist, der den Wettbewerb, der über zwei Jahre lief, 2023 auslobte. Hierfür beurteilte eine Jury bestehend aus dem Leitenden Redakteur und dem Kinder- und Jugend-Redakteur in der Mediengruppe Main-Post sowie dem SMV-Fachreferenten des Ministerialbeauftragten von Unterfranken die Arbeit der drei Journalistinnen.

Zunächst besticht der Artikel durch die hohe Relevanz des Themas. Die Frage, wie Integration von geflüchteten Kindern und Jugendlichen im Schulalltag gelingt, ist nicht nur für die Schulgemeinschaft, sondern auch gesellschaftlich von zentraler Bedeutung. Die Autorinnen greifen dieses Thema sensibel und zugleich kritisch auf und zeigen, wie Nähe, Empathie und journalistische Analyse produktiv miteinander verbunden werden können.

Auch der Rechercheaufwand und die Sorgfalt verdienen besondere Anerkennung. Die drei Schülerinnen entwickelten einen eigenen Fragebogen, führten Interviews mit Schülern, Lehrkräften und der Schulleitung und überarbeiteten ihren Text mehrfach, um alle Perspektiven fair darzustellen. Diese gründliche Arbeitsweise zeigt ein tiefes Verständnis journalistischer Verantwortung und Professionalität.

Die journalistische Qualität des Beitrags zeigt sich in der klaren Struktur, der ausgewogenen Argumentation und der Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge verständlich darzustellen. Der Artikel ist nachvollziehbar aufgebaut, nimmt die Leserschaft mit und vermittelt die Ergebnisse der Recherche präzise und anschaulich.

Darüber hinaus überzeugt die Arbeit durch Kreativität und sprachlichen Stil. Die Autorinnen schreiben in einer lebendigen, aber zugleich reflektierten Sprache, die sowohl emotional berührt als auch sachlich informiert. Ihre kreative Herangehensweise zeigt sich nicht zuletzt in der Verbindung von journalistischer Arbeit und sozialem Engagement – etwa durch die Organisation des „Mensch-Ärgere-Dich-Nicht“-Turniers, das Integration praktisch erlebbar machte.

Schließlich hebt die Jury den gesellschaftlichen Mehrwert des Projekts hervor. Der Artikel und die daraus entstandene Initiative tragen aktiv dazu bei, Verständnis, Toleranz und Zusammenhalt an der Schule zu fördern. Damit zeigen Finja Schollweck, Lina Schmittfull und Anne Pfister beispielhaft, wie journalistische Arbeit Verantwortung übernehmen und positive Veränderungen anstoßen kann.

Insgesamt ist ihr Beitrag ein überzeugender Beleg dafür, dass junger Journalismus weit über die Berichterstattung hinausgehen kann – er kann Brücken bauen, Perspektiven öffnen und Gemeinschaft gestalten. 

Die Preisträgerinnen wurden im Oktober 2025 über das Ergebnis des Wettbewerbs informiert und mit einer von der Schulleiterin überreichten Urkunde offiziell ausgezeichnet. Zudem erhielten sie einen attraktiven technischen Sachpreis zur Förderung ihrer weiteren journalistischen Arbeit.

Jasmin König

verfasst von J.Staab am