Gelebte Geschichte – unser Treffen mit einem Zeitzeugen
Ab einem gewissen Alter ist man bereit, kritischer und komplexer über die eigene Herkunft und die eigene Geschichte nachzudenken – und dieses Alter erreicht man schon vor dem Erwachsenwerden. Deshalb haben wir, die Schülerinnen und Schüler der 11. Jahrgangsstufe des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums Schweinfurt, uns auf den Weg gemacht: raus aus dem Klassenzimmer, um uns mit der Geschichte eines noch lebenden Zeitzeugen zu beschäftigen.
Am 17.04.2026 nutzten wir unsere Unterrichtszeit einmal anders. Als Jahrgang besuchten wir das Kino – jedoch nicht, um irgendeinen Film zu schauen, sondern um uns mit einer Perspektive zu befassen, die oft zu wenig Beachtung findet. Gespielt wurde Das Schicksal, ein Film von Johanna Mielewczyk, der das Schicksal von zwei jungen Männern zeigte. Jürgen Hempel und Jerzy Podlak, die als Jugendliche das Kriegsende in Breslau überlebt haben.
Der Film gliedert sich wie folgt: Zuerst wird Jürgens Sicht gezeigt, sein Leben in Breslau als Junge einer dort ansässigen deutschen Familie, seine Geschichte als Flüchtling aus seiner Heimat. Danach folgt Jerzys Sicht; als armer Junge, der zusammen mit seiner polnischen Familie in einem Arbeitslager am Ende der Stadt lebt. Zum Ende des Films treffen beide Perspektiven aufeinander, tauschen ihre Geschichten aus und erkennen, dass sie doch so viel gemeinsam haben. Die beiden kannten sich zuvor nicht und doch waren sie Teil derselben Geschichte. Der Film macht deutlich, dass Menschen aus zwei verschiedenen "Teilen" der Geschichte am Ende oft gleiches Leid ertragen mussten.
Nachdem der Film zu Ende war, hatten wir außerdem das große Glück, dem Protagonisten Jürgen Hempel selbst einige Fragen zu stellen – nicht nur zum Film, sondern auch zu seinem Leben. Zwar war die Kommunikation aufgrund seines fortgeschrittenen Alters etwas schwieriger, jedoch gab er stets Antworten, die einen zum Nachdenken anregten.
Wir können gewiss sagen, dass wir unsere Unterrichtszeit kaum besser hätten nutzen können. Denn auch, wenn der Besuch nicht lange dauerte, war es ein besonderer Moment, mit einer Person in einem Raum zu sein, die Geschichte hautnah erlebt hat – das vergisst man nicht.
J. Bahronov, M. Dees, V. Finster, R. Sauer, 11a
Wie ein 94-Jähriger uns schwer beeindruckte
Am Freitag, dem 17.04.2026, konnten drei Klassen der 11. Jahrgangsstufe im Rahmen des Fachs Geschichte „Schicksal“ von Joanna Mielewczyk, einen Film über das Leben von Familien, insbesondere Kindern in Wrocław, dt. Breslau, kurz vor dem Ende des 2. Weltkrieges, im Kino KuK ansehen.
Daraufhin hatten wir die Möglichkeit der Regisseurin und dem Protagonisten des Films und Zeitzeugen, Jürgen Hempel, Fragen über die Zeit während und nach der Zeit des Nationalsozialismus zu stellen. Organisiert wurde die Vorführung und das Gespräch von der Stiftung Kulturwerk Schlesien, der Initiative gegen das Vergessen und dem Stadtarchiv Schweinfurt.
Der deutsche Zeitzeuge, der als Junge in Breslau aufwuchs, während die Rote Armee gegen Ende des Zweiten Weltkriegs dort einmarschierte, hat uns berührt. Der Film und auch das Gespräch, das darauffolgte, waren sehr eindrucksvoll und zeigten den schwierigen und gefährlichen Alltag damals. Erschreckend dabei war, dass Herr Hempel als Kind schon Aufgaben wie das Beseitigen von Leichen erledigen musste. Er erzählte von seiner Familie, die alles verlor, was sie sich aufgebaut hatte, sogar das Haus, welches später brannte, und Juwelen, die die Mutter zuvor versteckt hatte. Später wurde er und seine Familie mit dem Zug deportiert. Der Zeitzeuge berichtete außerdem von seinem späteren Leben in Deutschland. Durch die Situation, in der er aufwuchs, hatte er große Problem mit dem Schulsystem.
Aber auch über schöne Momente wie die Freundschaft mit einem jüdischen Jungen namens Kurt oder seinen späteren Reisen nach Afrika erzählte er uns freundlich und beantwortete trotz seiner fortgeschrittenen Schwerhörigkeit alle Fragen.
Der Bericht und das Gespräch waren insgesamt sehr bewegend und halfen dabei, sich die Situation der Menschen während und nach dem Krieg besser vorstellen zu können.
J. Ritter, L. Wieland, N. Schultz, K. Schneider, J. Förtsch, 11a
Unser Zeitzeugenprojekt
Die Dokumentation über zwei Zeitzeugen aus Breslau bot spannende und zugleich sehr emotionale Einblicke in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Besonders interessant war dabei, wie unterschiedlich sich die Lebenswege der beiden Männer entwickelten, obwohl beide aus derselben Stadt stammten und ähnliche Erfahrungen gemacht hatten.
Vor allem die Geschichte eines der Zeitzeugen blieb vielen im Gedächtnis. Nach dem Krieg fühlte er sich orientierungslos, da er einen großen Teil seines bisherigen Lebens verloren hatte. Besonders beeindruckend war, dass er schließlich nach Afrika auswanderte und dort rund zehn Jahre lebte. Seine Erzählung zeigte deutlich, wie stark die Erlebnisse der Kriegs- und Nachkriegszeit Menschen geprägt haben und wie unterschiedlich sie versuchten, mit diesen Erfahrungen umzugehen.
Durch die persönlichen Berichte wirkte die Geschichte viel greifbarer als im normalen Unterricht. Themen wie Verlust, Neuanfang und die Suche nach Orientierung wurden nicht nur erklärt, sondern anhand echter Lebensgeschichten verständlich gemacht.
Auch die anschließende Fragerunde war sehr interessant. Dort konnten offene Fragen geklärt werden, wodurch man die Erlebnisse und Hintergründe der Zeitzeugen noch besser nachvollziehen konnte.
Insgesamt hinterließ die Dokumentation einen sehr positiven Eindruck. Sie zeigte Geschichte nicht nur als eine Reihe von Fakten und Daten, sondern vor allem als persönliche Schicksale und Erfahrungen. Gerade dadurch wurde deutlich, wie wichtig es ist, sich mit solchen Geschichten auseinanderzusetzen, um die
Vergangenheit besser verstehen zu können.
B. Dizlek, S. Kolb, 11d
